Google Rankingfaktoren im Tourismus – Soziale Signale auf dem Prüfstand

Gestern hat der Berliner Suchmaschinenspezialist und Experte für Social und Search Analytics Searchmetrics eine aufwendige und außerordentlich interessante Studie zum Thema Google Rankingsignale 2012 herausgegeben.

Als Anbieter von uniquen Webinhalten für den Tourismus interessiert uns die Auswertung natürlich besonders. Wir haben uns mit dem Zusammenhang zwischen Social Media und Search sehr ausführlich beschäftigt und ebenfalls eine Menge Daten analysiert. Ursprünglich wollten wir unsere Studie erst zur ITB vorstellen, aus aktuellem Anlaß gibt es heute schon einen kleinen Vorgeschmack. Mehr zu unseren Erkenntnissen weiter unten.

In der aktuellen Studie von Searchmetrics wurden 10.000 ausgewählte Top Keywords, 300.000 Webseiten, Millionen von Backlinks, Shares und Tweets analysiert. Die Frage hinter der umfangreichen Untersuchung: Was funktioniert eigentlich wirklich, welche Eigenschaften (Rankingfaktoren) verbinden die Top platzierten Seiten? Eine spannende Frage für jeden, der in den Zeiten des Social Web auch über die gute alte Google Suche gefunden werden möchte. Und natürlich auch für alle, die um den Einfluss des Suchmaschinengiganten auf Geschäftsmodelle wissen. Was funktioniert zukünftig? Was sind wichtige Signale? Welche Eigenschaften muss meine Seite haben, um in Zukunft den Anforderungen gerecht zu werden?

Die Ergebnisse kurz zusammengefasst:

  • Seiten, die gut ranken sind auch im Social Web ausgesprochen stark. Hier ist eine klare Korrelation erkennbar.
  • Seiten mit Werbeintegrationen ranken schlechter als Seiten ohne Werbung.
  • Seiten mit vielen guten Backlinks ranken besser als Seiten ohne Backlinks.
  • Marken hebeln klassische SEO Signale aus.
  • Keyworddomains sind nicht tot.

SEO Ranking Faktoren Deutschland 2012: Infografik Mehr zu den SEO Rankingfaktoren 2012 bei Searchmetrics.

Ergebnisse sind relevant für den Shorthead

Die untersuchten Keywords wurden mit Vorsicht ausgesucht, befinden sich aber nicht im Longtail. Nach den Angaben von Searchmetrics handelt es sich um Keywords mit tendenziell hohem, aber nicht maximalem Suchvolumen. 10% der Keywords sind navigationsorientiert (z.B. amazon, ebay, wikipedia, also Keywords, die eher aus Faulheit in den Suchschlitz eingegeben werden. Eigentlich hat der Nutzer eine direkte Zielseite und steuert diese über die ersten Google Ergebnisse auch an. Alle anderen Ergebnisse sind nicht relevant. Die ansonsten gängigen Klickverteilungen gelten für diese Suchen nicht.) Außerdem wurde darauf geachtet, dass transaktionsgetriebene Keywords und informationsgetriebene Keywords gleichwertig vorhanden sind.
Dennoch: die Untersuchung betrifft eher den umkämpften Shorthead.

Handelt es sich um Rankingsignale?

Marcus Tober warnt innerhalb seines Textes mehrmals, nicht von einer Korrelation auf einen direkten Zusammenhang zu schließen. Ich halte den Gedanken für sehr wichtig: Sind die Ergebnisse tatsächlich die Faktoren für ein gutes Ranking oder haben gute Inhalte bestimmte Eigenschaften (wie z.B. starke Social Media Signale)? Hat also Searchmetrics die Eigenschaften guter Webinhalte gefunden und letztlich festgestellt, dass Google in der Lage ist, relevante Inhalte oben anzuzeigen? Henne oder Ei?

TripsByTips Untersuchung wirft weitere Fragen auf

Wie oben schon erwähnt haben wir uns ebenfalls mit der Frage auseinandergesetzt, ob und wie sich die sozialen Signale auf das Ranking auswirken. Wir haben dafür unsere Untersuchung aus dem vergangenen Jahr genommen und sie um die Komponente „Social Visibility“ erweitert. Wir waren neugierig, ob Domains mit einer starken SEO Sichtbarkeit auch automatisch eine starke „Soziale Sichtbarkeit“ haben, bzw. umgekehrt. Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass wir leicht einen Zusammenhang finden. Dem war nicht der Fall.
Die ausführliche Studie präsentieren wir, wie schon im vergangenen Jahr, zur ITB. Hier aber schon mal ein paar Erkenntnisse passend zum Thema Rankingsignale.
Für die Auswertung haben wir ebenfalls die Daten von Searchmetrics genutzt. Seit ein paar Monaten werden hier auch die Sozialen Signale getrackt und bewertet.

Top 10 Social Visibility im Tourismus

Top 10 Social Visibility im Tourismus

Top 10 Social Visibility im Tourismus


Die Liste wird angeführt von HRS, Booking und Holidaycheck. Wie schnell ersichtlich ist, korreliert die organische Sichtbarkeit der Domain nicht mit der sozialen Sichtbarkeit. Ganz eindeutig ist das mit den Four Seasons, die Platz 9 im Bereich Soziale Sichtbarkeit einnehmen, aber nur eine organische Sichtbarkeit von 1.553 haben. Damit liegen sie im untersten Bereich der Skala.

Top 10 Organic Visibility im Tourismus

Top 10 Organic Visibility im Tourismus

Top 10 Organic Visibility im Tourismus

Aus der Top 10 der Social Visibility sind 5 Unternehmen auch in der Top 10 der Organic Visibility. Bis auf München handelt es sich ausschließlich um Portale. Auch wenn HRS im Bereich Social mit Abstand am stärksten ist, liegen sie nur auf Platz 7 der erfolgreichsten Unternehmen im organischen Bereich.

Top 10 Social Visibility Hotellerie

Top 10 der Social Visibility in der Hotellerie

Top 10 der Social Visibility in der Hotellerie


Die Hotellerie geht ganz klar mit schnellen Schritten ins Social Web. Sie kann allerdings nur einen Bruchteil des Traffics aus der Suche abschöpfen. Sie lagen im vergangenen Jahr bei 6% des Suchtraffics und daran hat sich nach unserer Untersuchung auch in diesem Jahr nichts geändert. Unsere Prognose ist, dass da auch die weiteren Bemühungen im Social Web wenig helfen werden, da die Google eigenen Produktinteressen eine höhere organische Sichtbarkeit der Hotels und damit einen höheren Erfolg unterwandern.
Die Erkenntnisse aus der Searchmetrics Untersuchung hinsichtlich des Brandtraffics können die Hotellerie allerdings wieder optimistischer stimmen. Relevante Inhalte außerhalb des direkten Buchungschannels könnten vom Brand profitieren und damit zusätzliche Reichweite außerhalb des engen Transaktionsbereichs generieren.

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2 Kommentare

  1. Erstellt am 11. Februar 2012 um 11:23 | Permanent-Link

    Kann Eure Einschätzung nicht in einer anderen Bewertung der ‘social visability’ bei google liegen! Oder doch an der Unprofessionalität der Branche im Social-Bereich? Ihr versucht gerade ein Korellation durch ein Nicht-Sichtbarkeit im Tourismus abzubilden, die wiederum auf Sekundärdaten beruhen, der Konsistenz nur bedingt bekannt ist! Ich bin fest davon überzeugt, dass gute Inhalte oder noch besser gute Geschichten zu Visability führen! Aber wer von den genannten touristischen Akteuren versteht sich denn aufs Storytelling? Und damit meine ich nicht SEOgetriebene Erstellung von Unique Content?!

    Liebe Grüße aus Eichstätt,

    Florian

    • Hams
      Erstellt am 14. Februar 2012 um 21:40 | Permanent-Link

      Den Mythos, dass sich guter Content durchsetzt, sollte man langsam mal zu Grabe tragen. Solange im Tourismusbereich “Marken” wie Tripadvisor, Holidaycheck, booking.com etc. – dazu noch in mehreren Sprachen – die ersten Seiten zukleistern und z.B. amazon bei Buchtitelsuchen immer oben steht, solange haben andere, “bessere” Seiten keine Chance.
      Wie kommt Google übrigens dazu, kommerzielle Seiten abzustrafen und ist selbst die kommerzielleste Website der Welt??

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