Tourismuscamp Eichstätt 2008

Momentan huscht die Landschaft Frankens an mir vorbei, ich sitze im ICE auf der Rückfahrt vom Tourismuscamp Eichstätt nach Berlin. Das Barcamp für Touristiker ging am Samstag um neun Uhr los, ca. 40 Teilnehmer waren in das idyllische Eichstätt gereist. Nach dem Checkin und einem ersten Kennenlernen beim Café (an dieser Stelle herzlichen Dank an Jens Oellrich, Florian Bauhuber, Prof. Hans Hopfinger und das Topas Team der Uni Eichstätt für die perfekte Organisation) begann die barcamptypische Themensammlung für die einzelnen Sessions. Durch die bunte Mischung der Teilnehmer (Bloger, Destinationsmarketer, Spezialreiseveranstalter, Technologieanbieter, Communitybetreiber, Agenturen, Hoteliers und Gastronomen, Studenten und Verbandsvertreter – habe ich jemanden vergessen?) hatte auch die am Ende aufgestellte Themenliste für jeden etwas zu bieten.

Die erste Session „Travel 2.0“ wurde von Martin Schobert moderiert, er ist Bereichsleiter Research & Development bei der Österreich Werbung. Sein Community-Beispiel „Coolaustria“ hat mittlerweile 3.000 Mitglieder, was aus meiner Sicht nicht schlecht ist. Dennoch kommt die Frage grundsätzlich auf, ob ein Community-Ansatz für die Vermarktung einer Destination auf deren eigener Internetseite funktionieren kann. Letztendlich werden sich Destinationen am Ende schwer tun, eine große Mitgliederzahl dauerhaft in einer lebendigen Community bei der Stange zu halten, denn wer heute nach Österreich fährt, ist vielleicht in drei Monaten in Spanien oder Thailand unterwegs. Bemerkenswert fand ich Martins Ansatz, alle Maßnahmen auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen zu fokussieren, die nach den Sinus Milieus segmentiert werden. Hier wird wirklich strategisch gedacht und nachhaltig gehandelt, einer Vorgehensweise, die ich insbesondere im Tourismusmarketing noch oft vermisse. Das Ergebnis im Internet ist ein frischer, ehrlicher und dadurch auch sehr glaubhafter Internetauftritt, der durch die Integration von Gastblogern, einer inhaltliche Konzentration auf echte Highlights sowie dem reduzierten aber warmen Design sehr gelungen ist.

Die Session 2 „Social Communities und Destinations“ wurde von mir moderiert. Am Beispiel von Tripadvisor und WAYN haben wir über Funktionen, Wirkungsmechanismen, Erfolge sowie die Vor- und Nachteile von content- versus interaktionsgetriebenen Communities diskutiert. Aus der Sicht von Destinationen ist Content der entscheidende Treiber, auch ich sehe diesen Ansatz am Ende als die einzige Chance, mit einer Community auf vertretbare Art Geld zu verdienen.

Nach dem Mittagessen ging es parallel zu Gange, bis zu drei Sessions wurden gleichzeitig abgehalten, ich möchte mich bei der Beschreibung auf eine Auswahl konzentrieren. Florian Bauhuber war der Moderator für das Thema „Mapping 2.0“. Anhand sehr beeindruckender Beispiele haben wir uns die Features von Google Maps und dem konkurrierenden Angebot von Microsoft angesehen. Beachtlich finde ich, wie insbesondere Google es geschafft hat, uns durch die Bereitstellung kostenloser Tools zur Eingabe von geocodierten Daten zu bewegen – eine schlichtweg geniale Strategie, deren mögliche Auswirkung auf Geschäftsmodelle der Zukunft mir zunehmend Angst macht.

Bei der Session „Finanzierung von Internetprojekten“, die von Monika Meurer moderiert wurde, haben insbesondere die Blogger diskutiert, über welche Wege man mit seiner Arbeit Geld verdienen kann. Fasziniert hat mich der Erfolg von Gerhard Schoolmann, der mit seinem Blog zum Thema Gastronomie eine beachtenswerte Reichweite aufgebaut hat und damit auch deutlich mehr als nur ein Taschengeld verdient.

Danach habe ich im Rahmen der Session „Feind Google, Reiseentscheidungen im Internet“ die Diskussion zu Chancen und Risiken durch die zunehmende Marktmacht von Google moderiert. Die zentrale Fragen: „Wie suchen Konsumenten heute ein Reisziel?“, „Welchen Einfluss hat dabei Google?“ und „Was können Destination oder Anbieter touristischer Dienstleistungen tun, um Kunden zu bekommen?“. Am Beispiel von Escapio habe ich unsere Fokussierung auf Lifestylekriterien gezeigt, bei der wir neben der Darstellung von Destinationen (Hotel Toskana) einen zusätzlichen Fokus legen auf Leidenschaften oder Lifestylekriterien wie Design, Wein, Romantik, Feinschmecker oder Golf. Martin von Österreich Werbung und Markus Schwankl von Bayern Tourismus verfolgen eine ähnliche Form von Segmentierungsstrategie schon sehr erfolgreich. Bei der Diskussion über die Gefährlichkeit von Google für die einzelnen Glieder der touristischen Wertschöpfungskette wurde intensiv darüber diskutiert, ob nur die Intermediäre (Hotelbuchungsplattformen, Preisvergleiche etc.) aufpassen müssen oder auch die letzten Glieder in der Kette (Destinationen, Hotels, Gastronomen) durch eine Umverteilung von Reichweiten und damit Transaktionen betroffen sein könnten.

Beim gemeinsamen Abendessen in der „Trompete“ war genug Zeit für Detaildiskussionen mit den einzelnen Teilnehmern, zum Beispiel mit Marc Maurmann vom DTV, Stefan Raguse von 029, Götz A. Primke vom Geniesserblog Le Gourmand, Reinhard Lanner aus dem Lammertal, Harald Lux von DSAR, Kerstin Nützel von Franken Tourismus, Fabian Angerer und Ralph Buchfelder von Freitimer, Jürgen Treber vom Funforest Blog oder Stefan Waidele vom Hotel Krone.

Die erste Session des zweiten Tages hat Martin moderiert, es ging um die Nutzung von Blogs, Wikis und Foren für ein nachhaltiges Wissensmanagement in Unternehmen.

Kontrovers verlief die Diskussion der Session „UGC & Nachhaltigkeit“, die von Jens Hoppe moderiert wurde. Jens ist in der Betaphase einer „Invitation only Reisecommunity“, in der er „Bewusstes Reisen“ fokussieren möchte und zudem Geheimtipps auch geheim bleiben sollen, in dem sie nicht der gesamten Community sondern nur Freunde zur Verfügung gestellt werden. Auf die Fragen, ob Geheimtipps im Zeitalter von Google lange geheim bleiben und eine Community Besucherströme durch die eingeschränkte Verbreitung der Geheimtipps selbige als langfristig Geheim belassen kann, haben wir keinen Konsens gefunden. Ich glaube hier an die Macht des Marktes und an die perfekte Allokation von Information durch das Netz.

Mein Résumé zum Tourimuscamp Eichstätt: perfekte Organisation, gute Themen, gute Diskussion in den Sessions, interessante Teilnehmer. Vermisst habe ich ab und an mehr kontroverse Meinungen sowie Vertreter der althergebrachten schreibenden Zunft (Journalisten). Das dies der Veranstaltung keinen Abbruch getan hat, zeigt das von Jens am Ende ausgerufene und nur zu befürwortende Motto: „Tourismuscamp Eichstätt reloaded 2009“.

 

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Ein Kommentar

  1. Erstellt am 12. Februar 2008 um 19:09 | Permanent-Link

    Hm, das kann wohl nicht sein, dass Coolaustria 3000 Mitglieder hat. Auf der Site selbst, ist für jeden der momentane Stand zu sehen: 422!

4 Trackbacks

  1. Von Tourismus - Zukunft - Technologie am 11. Februar 2008 um 11:17

    Das war das Tourismuscamp in Eichstätt…

    Wieder zurück im Büro komme ich endlich dazu meine Eindrücke vom Tourismuscamp in Eichstätt aufzuschreiben. Irgendwie fehlte während der Veranstaltung die Zeit, all die Erlebnisse und Eindrücke aufzuschreiben und zu blogge…

  2. Von Tourismuscamp Eichstätt am 12. Februar 2008 um 00:41

    [...] Die Sessions könnt Ihr alle auf den Seiten selbst bzw. als Mitschrift bei Monika und Achim nachlesen. Einen recht ausführlichen Bericht hat auch Uwe geschrieben. [...]

  3. Von Tourismuscamp Eichstätt | The Travel Technology Consultancy am 12. Februar 2008 um 17:39

    [...] Tripsbytips Blog nach dem Tourismuscamp [...]

  4. Von Tourismus - Zukunft - Technologie am 16. März 2008 um 12:15

    Google SERPs und Tourismus…

    In den letzten Monaten konnte man bei der Ausgabe von Googletreffern zu bestimmten Suchwörtern wichtige Veränderungen feststellen. Bisher fallen vor allem 3 zentrale Änderungen in der Darstellung bestimmter Suchergebnisse auf:
    1. An erst…

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